Warum einen deutschen Wein trinken?

win13Deutschland gilt vielen nicht als die typische Weinnation, stammen edle Weine doch traditionell eher aus Frankreich und Italien, wo sie aus dem Alltag der einfachen Leute ebenso wenig wegzudenken sind wie aus den Trattoria oder den feinen Restaurants.

Viel eher gelten die Deutschen als Biertrinker, was sich auch heute noch in vielen Milliarden Litern des Verzehrs des „flüssigen Goldes“ widerspiegelt.

Und dennoch hat auch der Wein in Deutschland eine lange, gar Jahrtausende alte Tradition, spätestens seit der Besiedlung durch die Römer.

So sind heute einige deutsche Regionen wirtschaftlich wie kulturell untrennbar mit der Weinproduktion verbunden und bieten einen regelrechten Weintourismus an, allen voran die Pfalz und die berühmte Weinstraße.

Wir wollen in dieser kurzen Übersicht erörtern, warum so viele deutsche Weine als internationale Spitzenweine gelten, und warum mehr als 3300 von ihnen im Jahr 2015 eine Auszeichnung erhalten haben.

Dabei wollen wir auf die folgenden Punkte eingehen:

  • Professionalität
  • Wirtschaftlichkeit
  • Anbaubedingungen
  • Rebsorten

Professionalität

win14In Deutschland waren im Jahre 2012 etwa 80.000 professionelle Winzerei-Betriebe registriert, deren Anbaufläche insgesamt 102.000 Hektar betrug. Insgesamt wurden so etwa 9,25 Millionen Hektoliter Wein produziert, was, auf das einzelne Weingut gerechnet einen hohen Ertrag von 90 bis 100 Hektoliter ergab.

Welchen Qualitätsansprüchen Wein genügen muss, legt in Deutschland im Einzelnen das Weingesetz von 1994 fest. Die Deutsche Lebensmittelgesellschaft (DLG) führt zudem eigenständig regelmäßige Qualitätskontrollen durch und testet jährlich zehntausende Weine, von denen einige mit den Auszeichnungen Deutscher Qualitätswein oder Deutscher Prädikatswein ausgezeichnet werden.

Da ein Winzerei-Betrieb in Deutschland in aller Regel ein wirtschaftlicher Betrieb ist, ist der Grad an Selbstkontrolle ebenfalls entsprechend hoch.

Wirtschaftlichkeit

Welch bedeutender regionaler und nationaler Wirtschaftsfaktor der Wein in Deutschland ist, zeigen zwei Statistiken.

Zum einen betrug die Gesamtmenge des erzeugten Weines im Jahre 2013 8,4 Millionen Hektoliter, im langjährigen Mittel sogar durchschnittlich 9,4 Millionen Hektoliter im Jahr.

Dass von diesen 9,4 Millionen Hektolitern in diesem Zeitraum jährlich etwa die Hälfte exportiert wurde (3,9 Millionen Hektoliter), zeigt den Stellenwert deutsche Weine.

Größtes Weinanbaugebiet in Deutschland war 2012 Rheinhessen mit 26.516 Hektar vor der Pfalz mit 23.489 Hektar.

Anbaubedingungen

win15Deutsche Winzer profitieren seit jeher von besten Anbaubedingungen und gemäßigtem Klima in Deutschland. Das gilt vor allem in der Pfalz und Rheinhessen, wo aufgrund der relativen Nähe zu Frankreich auch ursprünglich französische Rebsorten, vor allem Burgunder, unter idealen Bedingungen angebaut werden können.

Das lokale Mikroklima, zum Beispiel in Steillagen oder lokal angebaute Pflanzen in Abhängigkeit der Bodenbeschaffenheit in einer Region färben den Geschmack des Weins noch mit einer zusätzlichen regionalen oder lokalen Note.

Rebsorten

Was die Weinvielfalt angeht, profitiert Deutschland von mehreren wichtigen Faktoren. Zum einen existieren „reine“ Weinanbaugebiete, die über verschiedene geographische Regionen verteilt sind. Auch haben sich einzelne Regionen beispielsweise auf bestimmte Weinsorten spezialisiert (z.B. Riesling an der Mosel, Burgunder in der Pfalz und Rheinhessen, Weißwein an Saar, Ruwer und Mosel). Gleiches gilt für Baden und Württemberg, die traditionell als Rotweinanbaugebiete gelten.

Zum anderen profitiert der deutsche Weinanbau auch von der Experimentierfreude der Winzer, die mittlerweile 140 verschiedene Rebsorten herangezüchtet haben, wovon die beliebtesten, Riesling und Müller-Thurgau (besser bekannt als Rivaner) ein Drittel ausmachen.